Skulpturen im Stil von Niki de Saint Phalle
Plastisches Gestalten nach dem Vorbild der farbenfrohen „Nanas“
Die Schülerinnen und Schüler gestalten Figuren nach dem Vorbild der „Nanas“ von Niki de Saint Phalle. Typisch sind runde, überzeichnete Formen, dynamische Haltungen und leuchtende Farben mit Mustern. Das Projekt verbindet plastisches Arbeiten mit künstlerischer Reflexion und zeigt: Kunst muss nicht realistisch sein, um stark zu wirken.
Ganz im Sinne der modernen Kunst gilt: Was wichtig ist, darf größer und auffälliger sein – Übertreibung macht Bedeutung sichtbar.
Geeignet für:
ab 3. Klasse möglich (4. Klasse optimal)
ab 9 Jahren
Kunstunterricht
Werken und Gestalten
Zeitrahmen:
ca. 6 - 8 Unterrichtsstunden
zwei Trocknungsphasen einplanen
Lernbereich:
- Plastisches Gestalten / Dreidimensionales Arbeiten
- Künstlerische Ausdrucksformen der Moderne
- Materialerfahrung (Gips, Modelliermasse, Acryl)
- Wahrnehmung von Körperformen und Proportion
- Gestaltungsmittel: Kontrast, Rhythmus, Übertreibung
Was wird geschult?
Folgende Kompetenzbereiche werden mit diesem Modell besonders gestärkt:
Fachkenntnis:
- Gestaltungsmittel bewusst einsetzen (Form, Farbe, Kontrast)
- Unterschied zwischen realistischer Darstellung und künstlerischer Übertreibung erkennen
- Grundkenntnisse zu Statik und Materialeigenschaften erwerben
- Künstlerische Stilmerkmale der Moderne benennen
Kreativität:
- Eigene Figurenideen entwickeln
- Proportionen bewusst verfremden
- Farb- und Musterstrategien gestalten
- Ausdruck durch Körperhaltung erzeugen
Motorik:
- Grob- und Feinmotorik beim Formen
- Koordination beim Arbeiten mit Gipsbinden
- Saubere Pinselführung
Persönlichkeitsentwicklung:
- Eigene Bildideen vertreten
- Mut zur Abweichung vom Realismus entwickeln
- Vielfalt von Körperformen wertschätzen
Das wird benötigt:
Material:
- Holzständer
- Styroporformen (z.B. Kugeln, Eier, Kegel)
- Gipsbinden
- lufttrocknende Modelliermasse
- Acrylfarbe
- Bambusspieße
Nützlich ist auch:
- Unterlage
- Mischpalette
- Acrylmarker
- Schale (für Wasser/Gipsbinden)
- Wasserbecher
- alte Lappen
Werkzeuge:
- Pinsel rund und flach
- Schere
Unterrichtsablauf:
Der Einstieg erfolgt über eine gelenkte Bildbetrachtung der typischen “Nanas” von Niki de Saint Phalle. Ziel ist nicht „Gefällt mir“, sondern Analyse: Welche Wirkung entsteht durch Größe, Form und Farbe? Warum wirken die Figuren stark und beweglich? In der anschließenden Skizzenphase planen die Schülerinnen und Schüler eine eigene Figur. Mindestens ein Körperteil wird bewusst übertrieben. Die zentrale Frage lautet: Was soll meine Figur ausdrücken?
In der Bauphase wird plastisches Denken geschult. Die Standachse bildet das statische Grundgerüst. Volumen entsteht durch Styroporformen, Stabilität durch Bambusspieße. Hier erfahren die Kinder grundlegende Prinzipien von Gleichgewicht und Schwerpunkt. Nach der Trocknung folgt die Feinform mit Modelliermasse. Details werden bewusst reduziert – Ausdruck entsteht durch Haltung, nicht durch realistische Gesichter.
Vor der Farbgestaltung entwickeln die Kinder ein Farbkonzept. Kontraste, Muster und Wiederholungen werden geplant. Erst danach erfolgt die Bemalung mit Acrylfarben. Die Präsentation schließt mit einer Reflexionsrunde: Was drückt meine Figur aus? Wo habe ich übertrieben – und warum?
Optionale Erweiterungen / Vertiefungen
- Vergleich: Realistische Figur vs. überzeichnete Figur
- Farbkonzepte mit Komplementärkontrast untersuchen
- Ausstellung im Schulhaus mit Besucherfragen
- Verbindung zu Themen wie Vielfalt und Körperbilder
Wer war Niki de Saint Phalle?
Sie war eine französisch-amerikanische Künstlerin der 1960er Jahre. Berühmt wurde sie durch ihre bunten, übergroßen Frauenfiguren – die „Nanas“ – als Zeichen für Lebensfreude und Stärke. Ihre Kunst zeigt: Übertreibung kann eine Botschaft tragen.
Merksatz: Große Formen, starke Farben, starke Frauen.
Kurzanleitung:
Das Projekt umfasst ca. 6–8 Unterrichtsstunden und ist in Arbeits- und Trocknungsphasen gegliedert, Trocknungszeiten fest einplanen und Trockenflächen frühzeitig organisieren.:
Phase 1 (1–2 Std.): Bildbetrachtung und Ideenskizze
Phase 2 (2 Std.): Grundform mit Gipsbinden → mind. 24 Std. trocknen lassen
Phase 3 (1–2 Std.): Feinmodellierung → vollständig durchtrocknen lassen
Phase 4 (1–2 Std.): Farbgestaltung und Präsentation
- Bildbetrachtung durchführen: Gemeinsam ausgewählte „Nanas“ betrachten und beschreiben. Wirkung, Form, Farbe und Haltung gezielt analysieren – nicht bewerten. Fokus: Warum wirken die Figuren stark und beweglich?
- Ausdruck planen: Eigene Figur skizzieren und festlegen, was sie ausstrahlen soll (z. B. Mut, Freude, Energie). Mindestens ein Körperteil bewusst überproportional anlegen, um Bedeutung sichtbar zu machen.
- Standachse vorbereiten: Holzstab mit Standfuß als stabiles Grundgerüst einsetzen. Trocken testen, ob die Figur im Gleichgewicht steht – Statik vor Ästhetik klären.
- Grundform aufbauen: Styroporformen aufstecken und grob anordnen. Schwerpunkt prüfen. Bambusspieße zur Stabilisierung einsetzen. Bewusst einfache, runde Volumen wählen – Klarheit vor Detail.
- Form fixieren: Mit Gipsbinden ummanteln. Überlappend arbeiten und Stabilität sichern. Trocknungszeit einplanen. Hier erfahren die Kinder Materialverhalten und Oberflächenstruktur.
- Feinmodellierung ausarbeiten: Mit Modelliermasse Übergänge glätten und ausgewählte Details andeuten. Gesicht nur reduzieren – Ausdruck entsteht über Körperhaltung, nicht über Mimik.
- Farbkonzept entwickeln: Vor dem Bemalen 2–3 Hauptfarben festlegen. Kontraste planen. Muster skizzieren. Ziel: bewusste Gestaltung statt zufälliger Buntheit.
- Grundieren und gestalten: Flächig mit Acrylfarbe arbeiten. Danach Muster, Linien und Kontraste ergänzen. Schwarz gezielt einsetzen, um Formen zu betonen und Rhythmus zu erzeugen.
- Präsentieren und reflektieren: Figuren ausstellen. Kurz erläutern lassen: Wo wurde übertrieben – und warum? Welche Wirkung entsteht durch Farbe und Haltung?
Tipp zum Unterrichtsablauf
Statik zuerst testen – bevor Gips ins Spiel kommt. Die Figuren sollten trocken aufgebaut und auf Standfestigkeit geprüft werden. Ein instabiles Grundgerüst lässt sich später kaum korrigieren.
Zwei klare Trockenphasen einplanen.