Die Rastermethode
Mein Mädchen mit dem Perlenohrring
In diesem Projekt lernen die Schülerinnen und Schüler die Rastermethode kennen und übertragen damit das Porträt „Das Mädchen mit dem Perlenohrring“ von Johannes Vermeer Schritt für Schritt auf ihr Zeichenpapier.
Geeignet für:
ab Klasse 4
ab 9 Jahren
Kunstunterricht
Werken und Gestalten
Zeitrahmen:
3-4 Schulstunden
Lernbereich:
- Proportionales Zeichnen mit der Rastermethode
- Genaues Beobachten und Übertragen von Formen mit einer zeichnerischen Hilfstechnik
- Einblick in Werk und Arbeitsweise von Johannes Vermeer
- Bewusstes Wahrnehmen von Licht, Blickrichtung und Bildwirkung
Was wird geschult?
Folgende Kompetenzbereiche werden mit diesem Modell besonders gestärkt:
Fachkenntnis
- Kennenlernen der Rastermethode als zeichnerische Hilfstechnik
- Verstehen von Proportionen und Größenverhältnissen
- Auseinandersetzung mit einem kunstgeschichtlich bedeutsamen Porträt
- Grundlegender Einblick in Leben und Werk von Johannes Vermeer
- Bewusstes Wahrnehmen von Licht, Blickrichtung und Bildwirkung
Kreativität
- Eigene zeichnerische Umsetzung einer Bildvorlage
- Gestalten durch schrittweises Arbeiten vom Groben zum Detail
- Entwickeln eines sicheren Umgangs mit einer Zeichentechnik
- Variieren von Linienführung und Detailgrad je nach individuellem Können
Persönlichkeitsentwicklung
- Stärkung von Ausdauer und Konzentration
- Aufbau von Selbstvertrauen durch sichtbare Erfolgserlebnisse
- Reflektieren des eigenen Arbeitsprozesses
- Wahrnehmen und wertschätzen unterschiedlicher Ergebnisse
Das wird benötigt:
Material:
Malgrund Papier (Malpappe, Leinwand)
Bleistift
Acrylfarben
Acryl-Stifte (optional)
Motiv-Vorlage (PDF download)
Nützlich ist auch:
Unterlage
Wasserbecher
Pinselreiniger
Malschürze
Werkzeuge:
Lineal
Pinsel
Radiergummi
- Mischpalette
Unterrichtsablauf:
Zu Beginn betrachten die Schülerinnen und Schüler gemeinsam ein Bildmotiv, das später mithilfe der Rastermethode übertragen werden soll. Dabei wird das Motiv zunächst als Ganzes wahrgenommen: Formen, Proportionen und wichtige Linien werden gemeinsam beschrieben. Anschließend wird besprochen, dass große oder komplexe Bilder leichter übertragen werden können, wenn man sie in kleinere Bereiche unterteilt.
Hierzu kann die Rastermethode als „Profi-Trick“ eingeführt werden: Die Vorlage wird in gleich große Kästchen eingeteilt, sodass das Motiv in überschaubare Teilbereiche gegliedert wird. Auf dem Malgrund wird anschließend ein entsprechend vergrößertes Raster angelegt. Die SuS übertragen das Motiv Schritt für Schritt Feld für Feld. Dadurch entsteht nach und nach das gesamte Bild.
Während der Arbeit liegt der Fokus auf genauem Beobachten und dem Vergleichen von Formen innerhalb der einzelnen Kästchen. Linien, Formen und Übergänge werden bewusst wahrgenommen und übertragen. So lernen die Schülerinnen und Schüler, komplexe Motive strukturiert zu erfassen und Proportionen sicher zu übertragen. Zuerst große Formen und grobe Außenlinien mit dem Bleistift, danach werden die Farben gemischt und der Pinsel gezückt – so bleiben Proportionen sicher und Frust niedrig.
Alternativ bietet sich eine kurze Präsentations- und Reflexionsrunde an: Die SuS vergleichen ihre Ergebnisse und überlegen gemeinsam, wie ihnen die Rastermethode beim genauen Übertragen von Formen und Proportionen geholfen hat. So wird aus der zeichnerischen und malerischen Arbeit eine bewusste Auseinandersetzung mit Bildwirkung und Arbeitsprozess – ganz ohne zusätzlichen Materialaufwand.
Tipp für den Unterricht
Das Motiv „Mädchen mit dem Perlenohrring“ finden Sie im Downloadbereich eine passende Motivvorlage sowie einen kurzen Künstlersteckbrief zu Johannes Vermeer – kostenfrei und direkt im Unterricht einsetzbar.
Wie funktioniert die Rastermethode im Kunstunterricht?
Die Rastermethode ist eine einfache Technik, um ein Bild proportional zu vergrößern oder zu verkleinern. Dabei wird eine Vorlage in gleich große Quadrate eingeteilt. Anschließend wird auf dem Malgrund ein proportioanles Raster mit derselben Anzahl an Feldern angelegt. Das Motiv wird dann Feld für Feld übertragen.
Der große Vorteil: Komplexe Motive werden in überschaubare Teilbereiche gegliedert. Dadurch lassen sich Formen und Proportionen leichter erkennen und Schritt für Schritt auf größere Formate übertragen.
Beispiel Rastergröße einfach berechnen:
Vorlage: DIN A4 (21 × 29,7 cm)
Malgrund: 30 × 40 cm
Breite des Malgrunds ÷ Breite der Vorlage
30 cm ÷ 21 cm ≈ Vergrößerungsfaktor 1,4
Der Malgrund ist also etwa 1,4-mal größer als die Vorlage.
Nun wird die Rastergröße der Vorlage mit diesem Vergrößerungsfaktor multipliziert:
Beispiel:
Mein Raster auf der Vorlage: 3 × 3 cm pro Quadrat
3 cm × Vergrößerungsfaktor 1,4 ≈ 4 cm
Raster auf Malgrund = 4 x4 cm pro Quadrat
Wichtig ist: Die Anzahl der Kästchen bleibt gleich, nur ihre Größe verändert sich
So geht´s - Schritt für Schritt:
Step 1: Raster auf der Vorlage anlegen
Die Bildvorlage wird mit Bleistift und Lineal in gleich große Quadrate eingeteilt. Wichtig ist, dass alle Kästchen exakt gleich groß sind. Das Raster hilft dabei, das Motiv in kleine Teilbereiche zu gliedern. Tipp: Die Linien nur leicht einzeichnen, damit sie später wieder entfernt oder überarbeitet werden können.
Step 2: Raster auf Malgrund übertragen
Auf dem Malgrund wird nun ein vergrößertes Raster mit derselben Anzahl an Kästchen angelegt. Die Quadrate sind größer als auf der Vorlage, behalten aber das gleiche Verhältnis. Die Rastergröße lässt sich über den Vergrößerungsfaktor berechnen (siehe oben). So bleibt das Motiv proportional korrekt.
Step 3: Motiv Feld für Feld übertragen
Nun wird das Motiv Kästchen für Kästchen übertragen. Dabei wird immer nur ein Feld der Vorlage betrachtet und auf das entsprechende Feld des Malgrunds übertragen. Hilfreiche Leitfragen: Wo beginnt die Linie im Kästchen? Wo verlässt sie das Feld wieder? Verläuft sie eher gerade, gebogen oder schräg?
Step 4: Formen und Linien ergänzen
Nachdem die wichtigsten Linien übertragen wurden, können weitere Details die zum Beispiel starke Farbübergänge oder Gesichtsdetails markieren ergänzt werden. Das Raster dient dabei weiterhin als Orientierung, damit Proportionen und Abstände stimmen.
Tipp zur Differenzierung:
Die Rastermethode eignet sich besonders gut für unterschiedliche Lernniveaus. Je nach Lerngruppe können größere oder kleinere Rasterkästchen verwendet werden. Schwächere Schülerinnen und Schüler arbeiten mit vorbereiteten Rastern oder zeichnen nur einen Teilbereich des Porträts. Stärkere Kinder können zusätzliche Details ergänzen oder sich an einer feineren Ausarbeitung versuchen. So arbeiten alle am gleichen Motiv – aber auf ihrem individuellen Niveau.