Kubistische Upcycling-Gesichter gestalten
Pablo Picasso trifft Upcycling: Dreidimensionales Gestalten mit Karton & Fundmaterialien
Aus alten Kartonagen, Holzresten, Kork, Draht, Knöpfen, kleinen Schachteln und weiteren Fundmaterialien entsteht ein großformatiges, dreidimensionales Gesicht. Inspiriert von der Formensprache Pablo Picassos und des Kubismus zerlegen die Jugendlichen bekannte Gesichtsformen, verändern Proportionen und setzen unterschiedliche Materialien zu einer neuen plastischen Komposition zusammen.
Das Projekt verbindet Kunstgeschichte mit nachhaltigem Gestalten: Materialien, die normalerweise entsorgt würden, erhalten eine neue Funktion. Dabei stehen nicht das möglichst genaue Nachbilden eines Picasso-Werks, sondern Experimentieren, eigenständiges Gestalten und das bewusste Wahrnehmen von Form, Material und Farbe im Mittelpunkt.
Geeignet für:
ab Klasse 6
ab 11 Jahren
Kunst, Werken und Gestalten
Fächerübergreifend: BNE, Kunstgeschichte
auch als Projektarbeit, Gruppenarbeit
Zeitrahmen:
4–6 Unterrichtsstunden
Je nach Größe und Ausgestaltung des Modells
Lernbereich:
- Plastisches und dreidimensionales Gestalten
- BNE: Upcycling und nachhaltiges Gestalten
- Materialerfahrung: Mixed Media
- Komposition und Form im Raum
- Kunstgeschichte und Kubismus
Was wird geschult?
Folgende Kompetenzbereiche werden mit diesem Modell besonders gestärkt:
Fachkenntnisse
- typische Merkmale kubistischer Gestaltung erkennen und für eigene Gestaltungsentscheidungen nutzen
- unterschiedliche Materialien anhand ihrer Eigenschaften auswählen und einsetzen
- Schneide-, Klebe- und Verbindungstechniken sachgerecht auswählen
Kreativität & Problemlösefähigkeit
- Form, Farbe, Proportion und räumliche Anordnung gezielt miteinander verbinden
- Alltags- und Restmaterialien neu interpretieren und gestalterisch umnutzen
- aus unterschiedlichen Einzelteilen eine zusammenhängende plastische Komposition gestalten
Motorik & Werkzeugkompetenz
- Karton, Draht, Holzreste und weitere Materialien kontrolliert bearbeiten
- Cutter, Zange, Pinsel und weitere Werkzeuge sicher und selbstständig einsetzen
Persönlichkeitsentwicklung & Problemlösefähigkeit
- eigene gestalterische Entscheidungen treffen und begründen
- eigene Lösungen entwickeln, erproben, verändern und weiterentwickeln
- unterschiedliche gestalterische Lösungen wertschätzend betrachten und reflektieren
Das wird benötigt:
Material:
- alte Kartonagen, Verpackungskartons oder Graupappe
- Holzreste oder Baumscheiben
- Korken oder Korkreste
- Draht und Drahtreste
- Knöpfe, Deckel und Verschlüsse
- Schnüre, Bänder, Leder oder textile Reste
- weitere saubere und ungefährliche Fund- und Restmaterialien
- Acrylfarben
- Bastelkleber und Heißkleber
Nützlich ist auch:
- Mischpaletten
- Schneidunterlage
- Wasser- und Pinselbecher
- Malkittel oder Schürzen
- Kreppband
- alte Lappen oder Küchenpapier
- Sortierboxen für die Fundmaterialien
- Acrylmarker für Konturen und Akzente
Werkzeuge:
- Cutter
- Schneidelineal
- Schere
- Bleistift
- Pinsel in unterschiedlichen Größen
- Seitenschneider
- Flach- oder Kombizange
- Heißklebepistole
Sicherheitshinweis: Cutter und Heißklebepistolen am besten an festen Werkzeugstationen einsetzen. Vor Beginn werden Handhabung und Sicherheitsregeln gemeinsam eingeführt; die Nutzung erfolgt unter Aufsicht.
Unterrichtsablauf:
Der Einstieg kann über ausgewählte Porträts und kubistische Werke Pablo Picassos erfolgen. Dabei steht zunächst das genaue Beobachten im Mittelpunkt: Wo befinden sich Augen, Nase und Mund? Stimmen die Proportionen mit einem realistischen Gesicht überein? Werden Vorder- und Seitenansicht gleichzeitig sichtbar? Gemeinsam werden typische Gestaltungsmerkmale gesammelt, ohne daraus starre Regeln für das eigene Kunstwerk abzuleiten.
Anschließend richtet sich der Blick auf die vorhandenen Materialien. Mitgebrachte Kartonagen, Korken, Knöpfe, Holzreste, Schachteln, Drähte und andere Fundstücke werden nach Form, Oberfläche, Stabilität und möglicher neuer Funktion untersucht. Die Jugendlichen überlegen beispielsweise, welches Material ein Auge, eine Nase oder eine Haarstruktur darstellen könnte. Dadurch wird Upcycling nicht nur als Materialersparnis, sondern als gestalterisches Prinzip erfahrbar.
Bevor geklebt und geschnitten wird, entwickeln die SuS ihre Komposition zunächst durch Ausprobieren. Materialien werden gelegt, gedreht, kombiniert und wieder verworfen. Dabei darf ein Gesicht bewusst asymmetrisch, überzeichnet oder aus unterschiedlichen Ansichten zusammengesetzt werden.
Nach einer Einführung in die benötigten Werkzeuge beginnt die konstruktive Arbeitsphase. Größere Kartonteile werden zugeschnitten, Elemente verbunden und unterschiedliche Ebenen aufgebaut. Beim Einsatz von Cuttern wird der sichere Umgang mit Schneideunterlage, geeigneter Führung und einer kontrollierten Schnittrichtung vorab gemeinsam besprochen und eingeübt. Heißkleber kann bei konstruktiv notwendigen Verbindungen eingesetzt werden; einfachere Klebeverfahren sollten bevorzugt werden, wo sie ausreichen.
Erst wenn die Konstruktion weitgehend abgeschlossen ist, folgt die Farbgestaltung. Flächig eingesetzte Acrylfarben können unterschiedliche Materialien optisch zusammenführen oder einzelne Formen bewusst voneinander abgrenzen. Ergänzende Spritztechniken ermöglichen experimentelle Akzente und schaffen einen Kontrast zwischen gezielter Formgestaltung und zufälligen Farbspuren.
Zum Abschluss werden die entstandenen Arbeiten gemeinsam betrachtet. Neben der Wirkung von Form und Farbe kann reflektiert werden, wie aus alltäglichen Restmaterialien ein Kunstwerk entstanden ist, welche Materialentscheidung besonders gelungen war und inwiefern sich Merkmale kubistischer Gestaltung im eigenen Werk wiederfinden.
Tipp
Materialbuffet statt Materialberg: Fundstücke nach Materialarten in offenen Kisten oder Schalen sortieren – z. B. Karton, Holz, Kork, Draht und Kleinteile. So finden die SuS schneller passende Elemente und der Arbeitsplatz bleibt übersichtlicher.
Erweiterungen und Vertiefungen
- Gemeinschaftsporträt gestalten
Mehrere Gruppen entwickeln einzelne Gesichtspartien, die anschließend zu einem großformatigen gemeinsamen Kunstwerk zusammengesetzt werden. - Mehrere Perspektiven verbinden
Vorderansicht und Profil werden bewusst in einem Gesicht kombiniert und anschließend hinsichtlich ihrer Wirkung verglichen. - Materialwahl begründen
Zu ausgewählten Materialien wird dokumentiert, welche ursprüngliche Funktion sie hatten und warum sie für das jeweilige Gestaltungselement eingesetzt wurden. - Upcycling kritisch betrachten
Der Materialverbrauch des Kunstwerks wird untersucht: Welche Materialien wurden wiederverwendet und welche neuen Materialien wie Farbe oder Klebstoff wurden zusätzlich benötigt? - Kubismus kunstgeschichtlich vertiefen
In höheren Jahrgangsstufen können unterschiedliche Phasen des Kubismus sowie Werke verschiedener Künstlerinnen und Künstler untersucht und miteinander verglichen werden. - Eine Picasso-Galerie gestalten
Die entstandenen Werke werden gemeinsam mit kurzen Objekttexten, Entwurfsskizzen oder Materialgeschichten im Schulhaus präsentiert.