Nassfilzen heißt haptisch lernen
Farbenfroher Paradiesvogel-Eierwärmer
In diesem Projekt gestalten die Schülerinnen und Schüler einen farbenfrohen Eierwärmer in Form eines Paradiesvogels und lernen dabei die Technik des Nassfilzens kennen. Aus locker ausgelegter Schurwolle entsteht durch Wasser, Seifenlösung und Bewegung Schritt für Schritt eine stabile, formgebende Filzhaube mit Hohlraum – passend für ein Ei.
Besonderheit des Projekts ist der Einsatz einer sogenannten Trennfolie zwischen zwei Wollschichten. Sie verhindert, dass sich die Fasern in der Mitte verbinden. So entstehen zwei Filzflächen, die nur am Rand miteinander verfilzen, während innen ein Hohlraum erhalten bleibt. Dieses Prinzip macht den funktionalen Charakter des Werkstücks erfahrbar: Aus einer flächigen Wollstruktur wird durch gezielte Technik ein dreidimensionales Objekt. Der Paradiesvogel-Eierwärmer vereint textile Technik, funktionales Gestalten und kreative Farbgestaltung. Die Schülerinnen und Schüler erfahren unmittelbar, wie sich Naturmaterialien durch gezielte Bearbeitung verändern lassen und wie aus einer weichen Wollfläche ein dauerhaftes, alltagstaugliches Objekt entsteht.
Geeignet für:
ab 4. Klasse
ab 10 Jahren
Kunstunterricht
Werken und Gestalten
Zeitrahmen:
2-3 Unterrichtsstunden
Lernbereich:
- Materialien erkunden und nutzen – Schurwolle als Naturmaterial untersuchen und gezielt verarbeiten
- Textile Techniken anwenden – Nassfilzen (Flächen- und Hohlformtechnik) sowie Nadelfilzen für Details
- Körper und Raum gestalten – Entwicklung einer dreidimensionalen Hohlform mit Funktion
- Farbe und Struktur bewusst einsetzen – Gestaltung von Farbflächen, Verläufen und plastischen Elementen
- Arbeitsprozesse planen und reflektieren – mehrphasiges Arbeiten vom Modellaufbau bis zur Ausarbeitung
- Werkzeuge und Hilfsmittel sachgerecht einsetzen – Umgang mit Noppenfolie, Seifenlösung und Filznadel
Differenzierung:
Eine Differenzierung erfolgt bei diesem Projekt ausschließlich über die Farbgestaltung. Die Schülerinnen und Schüler wählen individuelle Farbkombinationen und setzen eigene Akzente bei Formgestaltung, Gesicht und Details des Paradiesvogels. Der technische Ablauf sowie der Arbeitsumfang bleiben dabei für alle gleich, sodass keine Leistungsdifferenzierung entsteht, sondern eine gestalterische Vielfalt innerhalb derselben Aufgabenstellung.
Was wird geschult?
Folgende Kompetenzbereiche werden mit diesem Modell besonders gestärkt:
Fachkenntnis:
- Prinzip des Nassfilzens verstehen, erkennen, wie sich Wollfasern durch Feuchtigkeit, Reibung und Druck dauerhaft verbinden
- Funktion der Trennfolie zur Herstellung einer Hohlform erkennen
- Zielgerichtetes Einsetzen der Techniken Nass- und Nadelfilzen
- Aufbau eines funktionalen Werkstücks und Berücksichtigen der Materialschrumpfung beim Walken
Kreativität:
- Bewusste Farbauswahl und individuelle Gestaltung des Körpers und der Gesichtselemente
- Kontraste und Strukturen gezielt einsetzen
- Kombination textiler Techniken mit plastischem Gestalten
- Eigenen Ausdruck des Werkstücks entwickeln durch individuelle Details
Motorik;
- Feinmotorik und Handkraft trainieren durch Reiben, Walken und Modellieren
- Gleichmäßige Bewegungsabläufe beim Filzen koordinieren
- Dosierten Druck und kontrollierte Bewegung fördern
- Präzises Arbeiten beim Nadelfilzen von Augen und Nase erlernen
Persönlichkeitsentwicklung:
- Selbstwirksamkeit erleben durch die sichtbare Materialveränderung
- Stärken der Ausdauer und Konzentrationsfähigkeit bei einem mehrphasigen Arbeitsprozess
- Verantwortung für sorgfältiges und sicheres Arbeiten übernehmen
- Reflektieren den eigenen Gestaltungsprozess und dessen Ergebnis
Das wird benötigt:
Material:
- Schafschurwolle in verschiedenen Farben
Nützlich ist auch:
- wasserfeste Unterlage
- Papier-Vorlage
- Permanentmarker
- Handtuch
Werkzeuge:
- Noppenfolie
- Mischflasche
- Turbo-Filzer oder Olivenseife
- Styropor-Ei
- Filznadel fein mit Holzgriff
- Filz-Unterlage
- Schere
- Lineal oder Maßband
Unterrichtsablauf:
Zu Beginn werden die Schülerinnen und Schüler in die Technik des Nassfilzens eingeführt. Anhand eines Beispiels wird gemeinsam betrachtet, wie aus locker ausgelegter Schurwolle durch Wasser, Seifenlösung und Bewegung eine feste Filzfläche entsteht. Die Funktion der Trennfolie wird erklärt: Sie sorgt dafür, dass zwei Wollschichten nur am Rand miteinander verfilzen und im Inneren ein Hohlraum entsteht. So wird bereits zu Beginn der funktionale Gedanke des Eierwärmers deutlich. Sicherheits- und Organisationsaspekte (Umgang mit Wasser, rutschfeste Unterlage, sorgfältiger Einsatz der Filznadel in der späteren Phase) werden verbindlich besprochen.
In der Gestaltungsphase wird auf einer Noppenfolie gearbeitet. Die Schülerinnen und Schüler legen die erste Wollschicht in eine Richtung aus und achten darauf, die Fasern leicht über den Rand der Papiervorlage hinauszuführen. Anschließend werden weitere Wollschichten quer dazu aufgelegt, um Stabilität zu erzeugen. Durch das Benetzen mit der Filzer-Mischung und vorsichtiges Reiben über der Noppenfolie beginnt der Verfilzungsprozess. Die Kinder beobachten, wie sich die Fasern langsam verbinden. Sobald eine stabile Fläche entstanden ist, wird die Trennfolie eingelegt, der Rand umgeschlagen und die zweite Seite in gleicher Weise aufgebaut.
Im nächsten Schritt wird intensiver gefilzt und gewalkt. Durch das Rollen in Noppenfolie und Handtuch verdichtet sich das Material zunehmend und schrumpft auf die gewünschte Größe. Die Schülerinnen und Schüler erfahren dabei unmittelbar, wie sich Druck, Bewegung und Zeit auf das Ergebnis auswirken. Nach dem Walken wird die Unterkante begradigt und die Trennfolie aus dem Inneren entfernt. Die eingeschnittenen „Federn“ werden angefeuchtet, gerollt und modelliert.
Nach einer ausreichenden Trocknungszeit folgt der Technikwechsel zum Nadelfilzen. Mit der Filznadel werden Augen gefertigt und die Nase plastisch ausgearbeitet und fixiert. Hier steht präzises, kontrolliertes Arbeiten im Vordergrund.
Zum Abschluss werden die fertigen Paradiesvogel-Eierwärmer präsentiert und in ihrer Funktion erprobt. In einer Reflexionsrunde besprechen die Schülerinnen und Schüler, wie sich das Material im Verlauf verändert hat, welche Arbeitsschritte besonders anspruchsvoll waren und wie Farbwahl und Struktur die Gesamtwirkung beeinflussen. So wird das Projekt als Verbindung von funktionalem Gestalten, textilem Handwerk und kreativer Ausdruckskraft erfahrbar.
UNSER TIPP:
Projekt in zwei Phasen planen: zuerst Nassfilzen mit Walken und 2–3 Tagen Trocknung, danach Detailarbeit im Nadelfilzen. Das verhindert Hektik und erleichtert die Organisation. Arbeitsplätze wasserfest vorbereiten und ausreichend Filzer-Mischung nutzen – beim Nassfilzen nicht an Flüssigkeit sparen.